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Der Tumor

mit traurigem Ausgang.

Liesa, das Essen, ist fertig, rief die Mutter ihr aus dem Fenster zu. Komm bitte es wird sonst noch kalt! Als Liesa überhaupt keine Anstalten machte dem zu folgen, rief die Mutter erneut aus dem Fenster. Seit einiger Zeit fiel der Mutter auf, dass Liesa schlecht hörte. Daher beschlich sie ein sehr unwohles Gefühl. Hoffentlich hat dies nichts schlimmes zu bedeuten, dachte sie so bei sich! Liesa buddelte seelenruhig weiter im Sandkasten, einen Sandkuchen nach dem anderen. Sie war für ihre sechs Jahre ziemlich klein gewachsen, darum hielten sie viele für vier Jahre. Peter ihr Bruder ging schon zur Schule und brachte jeden Tag einen Freund aus der Schule mit. Bis an jenem Tag, als Liesa ins Krankenhaus musste. Ab da fiel die Mutter in tiefe Trauer. Liesa, rief nun ihr Bruder. Willst Du nicht zum Essen kommen? Liesa saß da und schien auch ihren Bruder ebenso nicht zu hören, wie zuvor die Mutter. Der Freund von ihm ging dann auf sie zu und tippte sie nur leicht am Arm an, hey Liesa essen kommen! Sie erschrak fürchterlich und fing dann an zu weinen. Der Junge sprang entsetzt zum Freund zurück und sagte immerzu, Du ich habe ihr nichts getan!! Da hörten die beiden Jungen schon die Mutter aus der Tür stürzen! Was ist passiert, fragte sie ihren Sohn völlig aufgebracht? Peter sah seinen Freund ängstlich an. Er hat Liesa nur leicht an den Arm getippt, weil wir sie zum Essen holen wollten. Als sie auf unser Rufen überhaupt nicht reagierte, da hat Bernd sie wirklich nur leicht angetippt. Da fing sie gleich an zu weinen. Geht ihr schon mal vor ins Haus ich komme gleich mit Liesa nach. Gut sagte er und gab seinem Freund mit der Hand ein Zeichen ihm zu folgen. Die Mutter setzte sich indessen zu ihrer Tochter in den Sandkasten und nahm sie fest in ihre Arme. Liebes, was ist mit Dir? Flüsterte sie ihr sanft ins Ohr. Liesa reagierte nicht auf die Frage.

Die Jungen sahen kurz aus dem Esszimmerfenster um zu sehen, was mit der kleinen Schwester los ist und Peter sprach leise zu seinem Freund, irgendwas stimmt mit meiner kleinen Schwester nicht! Der Freund, der sonst ein so fröhlicher Junge war, senkte seinen Kopf und wagte sich nicht seinem Freund ins Gesicht zu schauen. Weil er glaubte, es wäre sein Verschulden, dass es der kleinen Schwester seines Freundes nun so schlecht ging. Beide Jungen setzten sich an den runden Esstisch und warteten mit Anspannung darauf, was die Mutter zu ihnen sagen wird! Da ging die Tür vom Esszimmer auf und die Mutter trat mit Liesa auf dem Arm ein. Sie suchte den Blickkontakt zu ihrem Sohn und sprach dann zu ihm, esst ihr beide schon mal, ich muss mit dem Kinderarzt telefonieren, denn ich habe den Verdacht, dass Liesa nichts hört! Peter traten bei diesen Worten die Tränen in die Augen und sein Freund tat ihm dass gleich. Es ist nicht eure Schuld sprach sie jetzt zu beiden Jungen, ihr könnt nichts dafür, dass sie gleich zu weinen begonnen hatte, als ihr sie zum Essen holen wolltet. Sie hat sich wohl erschrocken, weil sie euch nicht hat kommen hören.
Peter sah zu seiner kleinen Schwester hin und sah dann zu seinem Freund. Bald drauf hörten sie die Mutter im neben Zimmer telefonieren. Nach einer halben Stunde ging die Esszimmertür erneut auf und die Mutter trat mit der weinenden Liesa auf dem Arm ein. Peter sprach sie nun, ich muss mit Liesa sofort ins Krankenhaus fahren, sagt der Arzt, es kann nämlich sein, dass etwas mit ihren Ohren nicht in Ordnung ist. Bernd ich habe schon mit Deiner Mutter gesprochen, sie wartet schon auf euch! Papa lege ich eine Nachricht hin, damit er weiß wo er Dich und mich finden wird. Im Krankenhaus wurden sie schon von einigen Ärzten erwartet, die vom Kinderarzt auf ihr kommen informiert worden waren, damit sie Bescheid wussten, was mit dem Kind los ist.

Ein sehr junger Arzt trat auf sie zu und fragte sie dann, sind sie Frau Tor? Ja, die bin ich, es geht um meine Tochter, sie hört seit heute nichts mehr. Ja, sagte der junge Arzt, dass haben wir schon von ihrem Kinderarzt erfahren. Ich bin Dr. Zahn und werde mich jetzt um ihre Tochter kümmern. Bitte folgen sie mir. Wir müssen in die zweite Etage fahren, denn dort ist unsere Hals-Nasen-Ohrenabteilung. Im Fahrstuhl sah der junge Arzt das kleine Mädchen mit besorgter Mine an. Der Fahrstuhl hielt und er gab der Mutter ein Wink mit der Hand ihm zu folgen. Eine Tür ging auf und eine sehr hübsche junge Krankenschwester trat hinaus und sah den Arzt mit ihren strahlenden grünen Augen an. Es war nicht zu übersehen, dass sie in diesen Mann über beide Ohren verliebt ist.

Im Zimmer befanden sich viele Gerätschaften und an einem großen Schreibtisch nahm er Platz. Er deutete mit seiner linken Hand auf einen weiteren Stuhl, auf den sie sich dann setzte. Er hatte ein Aktenordner vor sich auf seinem Schreibtisch zu liegen und blätterte eine Zeit lang darin herum, bis er aufblickte und sprach, der Kinderarzt habe ihm die Akte per Bote gleich zu gesandt. Darin steht vermerkt, dass ihre Tochter schon bei der Geburt, einen kleinen Tumor im Rücken hatte, der gleich erkannt worden ist und ziemlich bald nach der Geburt entfernt worden ist. Ja, nickte sie mit dem Kopf und kämpfte gegen die Tränen an. Daher wollen wir nichts unversucht lassen und werden Liesa von Kopf bis Fuß untersuchen. Es könnte nämlich sein, dass sich ein neuer Tumor gebildet hat. Deshalb hat ihr Arzt sie gleich weiter ins Krankenhaus verwiesen. Man sah dem Arzt an, dass es ihm viel Kraft kostete dies auszusprechen, was sein Kollege vermutete. Wir schlagen daher vor, sie und ihre Tochter erst einmal für eine Woche stationär aufzunehmen und allerhand Untersuchungen vorzunehmen um wirklich sicher zu gehen, dass es nicht daran liegt. Es tut mir sehr leid, dass es ihrer Tochter so ergeht, er sprach in leisen Tonfall weiter. Die Tür ging auf und ein weiterer Arzt trat ein. Guten Tag Frau Tor, ich bin Dr. Müller und werde nun mit den ersten Untersuchungen an ihrer Tochter beginnen. Können sie mir bitte nach nebenan folgen, denn dort stehen die Instrumente dafür. Er sah in Liesas Ohren und lächelte erfreut. Soweit man ins Ohr sieht, kann man nicht feststellen, dass es am Trommelfell liegt. Liesa wurde in ein Rohrartiges Etwas geschoben und ein lautes Brummen übertönte das Geschrei von Liesa.
Jetzt müssen wir abwarten, was uns die Auswertungen zeigen werden. Er drehte sich weg und sprach dann in ruhigem Tonfall weiter, sie können schon mal auf die Kinderstation gehen und sich dort ihr Zimmer zeigen lassen. Inzwischen werden wir dann mehr wissen.

Auf der Kinderstadion trat eine sehr lieb aussehende Krankenschwester auf sie zu und stellte sich mit Namen vor. Guten tag Frau Tor ich bin die Diensthabende Krankenschwester auf dieser Stadion. Mein Name ist Claudia. Wir haben gleich das Zimmer neben dem Schwesternzimmer für sie reserviert, damit sie auch mal für einige Minuten aus dem Zimmer gehen können. In dieser Zeit werden wir dann ein Auge auf ihre Tochter werfen. Liesas Mutter nickte nur und trat ins Krankenhauszimmer.
Zwei frisch bezogene Betten standen an einer Wand des Zimmers und am anderen Ende stand ein Tisch mit zwei Stühlen davor. Über beide Betten hing ein Bild, dass ein junges Mädchen in altertümlichen Kleidern zeigte, die gerade dabei war auf der Blumenwiese Blumen zu pflücken. Dass Bild wirkte in dieser Krankenhausathmosphäre fehl am Platz, dachte sie. Die Schwester folgte den beiden ins Zimmer und sprach zur Mutter, wenn sie ein Telefon im Zimmer benötigen, dann werde ich mich umgehend darum kümmern. Ja, sprach sie nun bedrückt zur Schwester, ich müsste unbedingt meinen Mann benachrichtigen, dass der Aufenthalt doch ein wenig länger dauern wird, als ursprünglich geplant war. Liesas Bruder müsste für diese Zeit am Nachmittag auch eine Versorgung haben, darum müsste ich mich jetzt auch noch kümmern. Nun ja, dann werde ich mich gleich mal auf den Weg begeben und für sie ein Telefon mit Anschluss besorgen, sprach die Schwester sanft zu ihr .
Liesa war inzwischen auf den Arm ihrer Mutter eingeschlafen. Da klopfte es an die Tür und der Arzt von eben trat ein. Es sieht nicht gut gestellt um ihre Tochter aus. Wir haben einen Tumor im Stammhirn festgestellt, der leider jedoch nicht leicht zu entfernen ist. Wie, was haben sie, schrie nun Liesas Mutter auf, einen Tumor?!!! Oh nein, das darf doch nicht wahr sein! Was bedeutet das denn? Der Tumor drückt auf den Hörnerv. Dadurch wird er schlecht durchblutet und kann die Signale nicht weiter ans Gehirn senden. Wenn dieser nicht behandelt wird, würde er ohne weiteres weiter wachsen und ihre Tochter wird kurz oder lang sich auch nicht mehr bewegen können.
Wir werden morgen Gewebe von ihm nehmen um zu sehen, wie bösartig er wahrhaftig ist. Liesa erwachte und fing unvermittelt wieder an zu weinen. Damit wir diese Untersuchung an ihrer Tochter vornehmen können brauchen wir ihre Einwilligungserklärung. Er hielt ihr ein Formular hin. Sie haben leider nur bis morgen Zeit dies zu unterschreiben und bereden sie dies bitte mit ihren Mann. Ich werde morgen früh noch mal vorbei schauen. Er stand auf und sagte beim herausgehen, überlegen sie sichís genau! Ein zu später Eingriff kann letzlich fatale Folgen haben.
Liesas Mutter sah dem Arzt mit schreckgeweiteten Augen nach.
In ihrem Kopf schlugen die Gedanken Purzelbäume. Sollte alles wieder von Vorne losgehen? Da flammten die alten längst verdrängten Gefühle und Gedanken in ihr wieder auf! Sie drückte ihr kleines Mädchen fest an die Brust. Ich werde Dich nicht allein lassen, Du brauchst wirklich keine Angst zu haben, wir stehen dies gemeinsam durch sprach sie zerknirscht mehr zu sich selbst! Liesa weinte ununterbrochen weiter.

Da trat die Schwester ins Zimmer, der Techniker wird gleich zu ihnen vorbei schauen um bei Ihnen ein Telefon zu installieren. Dass ist nett von ihnen dass sie mir ein Telefonanschluß organisiert haben. Mein Mann wird sich sicher schon große Sorgen machen, was mit unserer Kleinen ist!

Die Schwester lächelte die Mutter freundlich an, Frau Tor, es wird alles sicher wieder gut, DR. Zahn und Dr. Miller sind ausgezeichnete Korifäen auf diesem Gebiet. Da ist ihre Kleine in guten Händen. Was ist, wenn sich herausstellt, dass der Tumor weder bösartig noch gutartig ist? Entfernt muss er dann doch werden? Ja, dass ist richtig, nur beim bösartigen Tumor ist die Gefahr, dass sich dahinter ein Streukrebs befindet!

Das wäre grauenvoll sagte die Mutter!

Die Schwester streichelte der Mutter leicht über den Arm. Bitte machen Sie sich noch nicht allzu große Sorgen, bis dass letztendliche Ergebnis feststeht. Ihre Tochter braucht nun jemanden, der sie begleitet. Ich weiß, dass ist nicht leicht, jedoch sie tun sich damit kein Gefallen und helfen damit auch nicht ihrer Tochter all zu sehr.

Die Schwester trat zur Tür und sah der Mutter mitfühlend in die Augen. Da klopfte es an die Tür und ein klein untersetzter Mann trat ein. Guten Abend, ich bin der Techniker. Er ging zur Wand wo dass Nachtischchen stand und hantierte dort an der Wand herum. So, sprach er Kurzangebunden, sie können telefonieren. Gleich darauf war er wieder aus dem Krankenhauszimmer verschwunden.

Liesa hatte sich inzwischen auf dem Arm ihrer Mutter beruhigt. Sie trat mit dem Kind auf dem Arm zum Nachtischchen und wählte die Nummer von Zuhause. Beim zweiten Klingeln kam ihr Mann schon ans Telefon und fragte gleich unvermittelt, wie geht es unseren kleinen Schatz? Sie haben wohl einen Tumor am Stammhirn festgestellt, wissen aber noch nicht, ob es ein gutartiger oder eher ein bösartiger Tumor sein wird! Sie wollen morgen von ihm Gewebe abnehmen um herauszufinden, ob ja oder nein! Sie wollen dass wir eine Einwilligungserklärung unterschreiben, damit sie diesen Eingriff vornehmen können. Hast Du schon unterschrieben, fragte er mit belegter Stimme? Nein, ich wollte mit dir erst einmal darüber sprechen.

Betty unterschreibe. Es ist dringend. Wir haben keine andere Wahl! Gut das werde ich tun, flüsterte sie in den Hörer! Wie geht es Peter, fragte sie ohne umschweife ihren Mann. Dem geht es gut, er hat zu eben mit mir zu Abend gegessen und jetzt putzt er sich gerade die Zähne. Bestell ihm bitte liebe Grüße und sag ihm, es wird seiner Schwester schon bald wieder besser gehen. Ja, dass werde ich tun! Ich habe schon mit meiner Mutter gesprochen. Sie wird Peter für einige Tage zu sich nehmen. Sie möchte mit ihm gerne schöne Dinge unternehmen, damit er nicht zu sehr über seine kleine Schwester nachdenkt. Ja, dass ist eine wunderbare Idee von deiner Mama.

Bis morgen! Sie legte auf und stand noch eine Zeit lang zusammen mit ihrer Tochter vor dem Telefon. So war es auch vor sechs Jahren gewesen, als ihr die Ärzte gleich nach der Geburt mitteilten, dass ihr Kind ein Tumor im Rückenbereich aufwies. Der Rücken hatte auf der linken Seite eine Vertiefung, die den Ärzten gleich ins Auge fiel. Dass war Liesas Glück, denn wenn es nicht gleich erkannt worden wäre, würde sie heute schon lange im Rollstuhl sitzen müssen. Jetzt fragte sie sich, ob nun damals oder jetzt, wo ist da der Unterschied?
Sie wäre da vielleicht schon am Rollstuhl gewöhnt und müsste sich damit nicht mehr abfinden nicht mehr laufen zu können! Da läutete das Telefon und ihre Mutter sprach laut zu ihr! Kind, was ist mit unserer kleinen Liesa? Geht es ihr gut? Nein Mama! Sie haben im Stammhirn ein Tumor festgestellt. Wissen jedoch noch nicht, ob er gutartig oder eher bösartig ist! Was macht es da denn für einen Unterschied? Der bösartige könnte dahinter Streukrebs verbergen. Oh nein, dass darf doch nicht wahr sein! Ihre Mutter fing zu weinen an. Mama, bitte weine jetzt nicht, wir müssen jetzt alle stark sein, damit wir uns gegenseitig stützen können. Liesa braucht uns jetzt alle dringender als je zuvor! Gut mein Kind, dann halte mich bitte auf dem Laufenden! Ja, Mama dass werde ich tun! Machtís gut mein Kind!!! Ja Mama, sagte sie und legte den Hörer in die Gabel.
In der Nacht fing Liesa an zu röcheln! Liebes, was ist mit Dir? Sie klingelte nach der Nachtschwester. Die auch gleich im Zimmer stand. Ist etwas mit Liesa fragte sie die Mutter? Ja, sie röchelt so! Die Schwester rannte sofort ins Schwesternzimmer zurück und telefonierte nach dem diensthabenden Arzt.
Kommen Sie schnell, ein Notfall auf der Kinderstation. Die kleine Liesa röchelt! Gut, hörte die Schwester den Arzt durchs Telefon sagen, ich bin sofort da!!! Der Arzt ließ nicht lange auf sich warten. Liesa war bereits schon blau im Gesicht angelaufen. Schnell rief der Arzt, wir müssen sie in ein Sauerstoffzelt legen. Was ist mit meinem Kind, schrie die Mutter verzweifelt dem Arzt hinterher?

Der Arzt schien sie nicht zu hören und rannte mit dem kleinen Mädchen im Arm los! Im Fahrstuhl gab er der Schwester die nötigen Instruktionen. Liesa kam auf die Intensivstation und wurde mit vielen Instrumenten verkabelt. Man sah das kleine Mädchen fast gar nicht mehr, vor lauter vielen Kabeln an ihren kleinen Körper, im Bett liegen.

Liesa Ö, rief die verzweifelte Mutter ihrem Kind hinterher! Im Gang wurde sie vom Arzt zum stehen bleiben aufgefordert. Sie können jetzt im Augenblick nichts für ihre Tochter tun, sie braucht jetzt viel Ruhe. Bitte gehen Sie zur Kinderstation zurück und legen sich ein wenig schlafen. Wie kann ich jetzt meine Augen schließen, wo ich weiß, dass mein Kind mit dem Leben zu kämpfen hat.

Frau Tor, bitte seien Sie jetzt vernünftig!Der Arzt legte einen Arm um ihre Schulter und führte sie in Richtung Fahrstühle. Schob sie sehr sanft in einen dieser großen Krankenhausfahrstühle und stellte sich neben sie! Frau Tor, ihre Tochter braucht jetzt viel Ruhe, damit sie wieder zu Kräften kommen kann. Was ist mit ihr säuselte sie. Wir wissen es noch nicht, es kann ein Zusammenhang mit dem Tumor im Stammhirn haben! Es könnte jedoch auch etwas anderes sein! Im Augenblick können wir nichts für sie tun! Mein Baby, jammerte sie! Wenn sie stirbt und ich bin nicht bei ihr!
Sie wird nicht sterben Frau Tor!
Er brachte sie ins Zimmer, half ihr sich ins Bett zu legen und ordnete an ihr eine Beruhigungsspritze zu geben. Sie schlief sofort ein und erwachte erst gegen Morgen wieder als die Nachtschwester sie aufweckte. Frau Tor, wie geht es Ihnen heute?
Sie wusste erst nicht wo sie sich eigentlich befand und zwinkerte eine Zeit lang mit den Augen, bis ihr schlagartig wieder einfiel, dass sie sich im Krankenhaus befand. Sie wollte sofort aus dem Bett springen, da hielt die Schwester sie zurück! Frau Tor, warten sie einen Moment, ich muss kurz mit ihnen noch einiges besprechen. Kann dies nicht warten, fragte sie ungeduldig! Nein, es ist sehr dringend, erwiderte die Krankenschwester! Bitte setzen Sie sich noch einmal ruhig ins Bett! Was ich Ihnen jetzt nun zu sagen habe, ist auch für unser eins kein leichtes Unterfangen. Die Schwester nahm die Hand der Mutter in ihre und hielt sie lange fest, bis sie sich selbst so in der Gewalt hatte, um das anzusprechen, wozu sie beauftragt worden war.
Liesa ist heute früh verstorben. Sie hat den Kampf leider nicht gewonnen. Nein, nein, nein schrie sie die Schwester an, dass kann nicht sein, ich habe im Traum ihre Stimme vernommen, wo sie mir sagte, das alles wieder gut wird und ich bräuchte mich um sie nicht mehr zu sorgen. Da wird sie sich wohl bei Ihnen verabschiedet haben, flüsterte die Schwester traurig.
Nein, nein, nein, lassen Sie mich zu meinem Kind! Frau Tor, es geht im Augenblick nicht, man untersucht sie gerade, woran sie letztendlich gestorben ist!
Mein Kind rief die Mutter erneut und zitterte am ganzen Körper.
Wir haben Ihren Mann schon benachrichtigt, er wird in jeden Moment hier sein!
Da klopfte es an die Tür und ein weißhaariger Mann trat ein. Betty, meine Liebe, wir werden es gemeinsam schaffen! Liesa, meine Liesa soll tot sein, schrie sie!!! Ja Betty, sie ist von uns gegangen.
Nein, schluchzte sie und ließ es nicht zu, dass ihr Mann sie anfasste. Er sah die Schwester Hilfesuchend an. Sie ging leise aus dem Zimmer und kam darauf bald mit einer Spritze zurück. Frau Tor sprach sie sanft auf die zitternde Frau ein, sie bekommen eine Beruhigungsspritze, damit es ihnen bald wieder viel besser geht. Sie schob die Hand der Schwester grob beiseite und sprang wie ein junges Reh aus dem Krankenhausbett. Niemand gibt mir jemals mehr eine Beruhigungsspritze ohne meine Einwilligung schrie sie zornig! Ich will zu meinem Kind! Sie trat wutentbrannd auf die Schwester zu. Gehen Sie mir aus dem Weg! Frau Tor, bitte beruhigen Sie sich doch! Nein, ich habe mich nicht um mein Kind gekümmert, als es mich brauchte! Das werde ich mir nie verzeihen können! Liebes schaltete sich nun jetzt ihr Mann ein, und trat auf sie zu, so geht das wirklich nicht! Er legte besänftigend ein Arm um sie und führte sie zurück zum Bett. Stefan, wir müssen uns um Liesa kümmern! Sie braucht uns jetzt mehr als je zuvor! Betty, unser Kind weilt leider nicht mehr unter uns! Nein, dass lass Dir nicht erzählen! Sie lebt und man will sie uns wegnehmen. Er sah sie liebevoll an und man sah, wie sehr er mit den aufkommenden Tränen zu kämpfen hatte. Nein, Betty sie ist tot! Woher weißt Du dass so genau? Hast Du Dich davon überzeugen können? Ja, Betty! Sie sah ihn mit entrückten Gesichtszügen an! Mein Gott, Betty! Sie lag da in dem Bett, als wäre ihr eine schwere Last abgenommen worden sein. Ihr Gesichtchen strahlte eine Art von Glückseligkeit aus. Er trat sehr dicht an sie heran und küsste sie sanft auf ihre Stirn. Betty, sie wird nun keine Schmerzen mehr erleiden müssen! Sie saß in dem Bett und sah wie versteinert zur Decke. Die Schwester trat auf ihn zu und deutete auf die Tür. Draußen vor der Tür stand einer der Ärzte, der um Liesas Leben gekämpft hatte.

Herr Tor? Ja, der bin ich! Wir wissen nun, woran Liesa gestorben ist!Sie ist durch und durch mit Mesastasen verseucht gewesen. Wir hätten so gesehen nichts mehr für sie tun können. Eine Embolie hat die Lunge völlig zugekapselt. Daher hatte sie auch keine Luft mehr bekommen. Es bekümmert mich sehr, dass wir für ihre kleine Tochter nichts mehr tun konnten!
Ja, flüsterte der Mann und ging mit gesenktem Kopf ins Zimmer zu seiner Frau zurück! Sie war inzwischen vor Erschöpfung eingeschlafen. Er rief indessen seine und ihre Eltern an. Er fragte sich nun verzweifelt, wie er dies seinem Sohn begreiflich machen sollte, dass seine Schwester nie wieder zu ihm nach Hause zurück kommen wird?

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