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Die Verabredung

Vor 18 Jahren an einem regnerischen Tag im Mai traf ich ihn. Er stand in sich vertieft vor einem Schaufenster. Der Regen lief ihm in den Kragen. Es schien so als würde er dies nicht bemerken, denn er rührte sich dabei nicht von der Stelle. Ich fragte mich, weshalb er da stand und es ihn nicht störte, das der Regen ihm in den Kragen lief?
Er bemerkte mich nicht. Ich beobachtete ihn von der anderen Straßenseite aus. Eigentlich war er so gar nicht mein Typ. Er trug einen Hut, der aussah, als würde er ihn aus dem Müll herausgezogen haben. Am schlimmsten fand ich seinen zu großen Mantel. Es sah aus, als würde der Mantel ihn tragen und nicht er ihn. Einen solchen Anblick hatte ich vordem noch nicht gesehen. Ich fragte mich: „Ob er daheim keinen Spiegel zu hängen hat?“
In der linken Hand hielt er etwas weißes langes. Ich konnte nicht erkennen, was es überhaupt war. In der rechten Hand hielt er eine rote Rose die schon ein wenig gelitten hatte. Die Blütenblätter waren ziemlich zerfleddert. Ich wollte es nicht glauben, das diese Gestalt meine Verabredung sein sollte. Auf dem Bild, was er mir durchs Internet zukommen ließ, sah er so ganz anders aus. Nun kam in mir die Befürchtung auf, das er mich reingelegt haben musste. Er stand da vor dem Schaufenster, als würde er von dem Anblick, der hinter den Scheiben sich bot, sich nicht losreißen können. Beim näheren hinsehen, fiel mir auf, dass dieses Schaufenster überhaupt keine Auslagen führte. Was fesselte ihn denn so, fragte ich mich. Mein Blick fiel dann auf den Namen des Geschäftes!! (Theaterrevisiten ). Was soll das, schrie ich hervor!!
Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Der Typ ist „blind“.
Das weiße Ding, was er in seiner Hand hielt, ist ein Blindenstock!!! Er schien mein plötzliches Erscheinen nicht bemerkt zu haben. Er drehte sich abprupt zu mir um. Ich sah nun seine Augen, die so leblos aussahen. Nein rief ich: "Ich bin nicht mit ihnen verabredet".
Nun offenbarte er seinen Mund, der ohne Zähne bestückt war. Er rief meinen Namen! Ich lief was mich meine Beine tragen konnten, davon. Unterwegs stieß ich mit einer schwangeren Frau zusammen. Die mich beiseite stieß. Können sie nicht aufpassen!!! Rief sie mir erbost hinterher. Ich hörte sie schon gar nicht mehr, weil ich so mit dem Anblick von diesen Mann zu tun hatte. An der U-Bahn angekommen, holte ich meinen Zettel aus der Manteltasche.
Ich wollte mich vergewissern, ob ich wirklich am richtigen Ort gewesen war.
Beim näherem hinsehen fiel mir auf, das auf meinen Zettel eine ganz andere Straße stand.
Ich war ratlos, lehnte mich an die Hauswand und schloß meine Augen. Sollte das wahrhaftig kein Alptraum gewesen sein?
Plötzlich berührte mich eine sehr warme Hand und strich mir übers Haar. Eine sehr junge Stimme sprach mit mir, junge Frau wachen Sie doch bitte auf, wir sind an der Endhaltestelle angekommen. Ich traute meinen Ohren nicht. Wo sollen wir sein?
Die Hand die mich eben noch ganz freundlich gestreichelt hatte wurde energischer.
So wachen Sie doch auf junge Frau!
Meinte diese Stimme mich? Ich wagte es ein Auge zu öffnen. Schloß es aber gleich wieder. Das grelle Licht tat mir weh im Auge. Der Mann wurde nun ungeduldiger und schüttelte mich an meiner Schulter. Ja, murte ich ihn an, ich bin ja wach. Was wollen Sie denn nur die ganze Zeit von mir? Wir sind an der Endhaltestelle angekommen, sagte er nun ein wenig strenger.
Wo rief ich, sind wir? Wir sind an der Endhaltestelle buchstabierte er beinahe.
Ich sprang auf von meinem angewärmten Platz und stieg angesäuert aus. Wann fährt der nächste Bus von hier fort? Erst in fünf Stunden, sagte er unfreundlich und schloß die Bustür zu und schon war er fort. He rief ich ihm nach, was ist jetzt mit mir? Er drehte sich noch nicht einmal um und ging mit großen Schritten davon.

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